Michaelskirche

 

Unter dem Putz ruht die Vergangenheit – Die Michaelskirche in Söllingen
 
Bereits im 9. Jahrhundert soll in Söllingen im Pfinztal eine Kirche gestanden haben. Eine religiöse Kultstätte war dieser Ort schon sogar schon in vorchristlicher Zeit, das bezeugt die antike Herkules-Figur am Kirchturm. Die heutige Michaelskirche geht in ihren ältesten Teilen bis ins 13. Jahrhundert zurück. In dieser langen Zeit wurde viel verändert, angebaut und überdeckt. Die Kirche kann über eine breite einläufige Treppe erreicht werden, die durch einen gotischen Torbogen führt. Im 13. Jahrhundert war dies der einzige Weg, das Kirchengelände zu betreten. Diese optimalen Verteidigungsbedingungen und die zentrale Lage im Dorf machten das Gebäude oft zur letzten Zufluchtsstätte in Kriegszeiten. Die ältesten Bauteile, Turm und Sakristei, wurden zudem als Warenlager bzw. Wehrturm genutzt. Die heutige Gestalt der Michaelskirche lässt davon nicht mehr viel erahnen. Im Zuge einer Renovierung in den 1970er Jahren wurde die Kirche farblich komplett in Grau getaucht. Auch nach diesen Instandhaltungsmaßnahmen zeigten sich jedoch immer wieder Bauschäden, und so entschloss sich die Gemeinde 1990 für die bisher umfangreichste Renovierung der Michaelskirche.

Überraschung unter dem Putz
Besonders im Innenraum wurde viel verändert. Ein Restaurator trug Schicht um Schicht die Wandfarbe ab und legte das „Taufkleid“ der Kirche frei. Dabei entdeckte er nicht nur, dass die Kirche mit rosa und mintgrünen Ornamenten verziert worden war, sondern auch zwei Fresken an der östlichen Langhauswand. Das Fresko links des Altares ist nur schlecht erhalten und erfordert einiges an Fantasie, um die Darstellung zu interpretieren. Das rechte Fresko hingegen zeigt eindeutig eine Abendmahlsszene. Da die Kirche im 18. Jahrhundert zu klein geworden war für die wachsende evangelische Bevölkerung in Söllingen, wurde ein Anbau geplant. Es konnte jedoch aus finanziellen Gründen nur die Südseite der Kirche erweitert werden. 1889 wurde in Söllingen wieder gebaut: Die Westfassade wurde um einige Meter nach vorne versetzt um zwei Treppenhäusern Platz zu machen.
Diese beiden Erweiterungen sind der Grund für die ungewöhnliche Raumaufteilung der Michaelskirche. Der Raum basiert auf dem „Goldenen Schnitt“, was bedeutet, dass Südseite und Westseite zusammen genau ein Drittel des Kirchenschiffes ausmachen. Was der Ästhetik dient, ist jedoch in akustischer Hinsicht oft ein Problem. Denn durch die asymmetrische Raumform lässt die Akustik in der Kirche zu wünschen übrig. Die Raumaufteilung musste nach der neuen Platzvergabe, mittig auf der Empore, für die Orgel geändert werden. Als zusätzliche Stützen wurden unter der Orgel im Mittelgang vier zusätzliche Pfeiler nötig. Etwas ganz Besonderes ist das Netzgewölbe, das den Chorraum überspannt. Die Rippen sind rot und grün eingefärbt. Die Schlusssteine sind mit kunstvollen Blumenornamenten in den gleichen Farben gerahmt und zeigen die Wappen der Markgrafen aus der Gegend und die Jungfrau Maria mit dem Kind. Um die Fenster der Kirche ranken sich noch einige Geheimnisse. Die Fenster im Chorraum wurden 1962 durch die heutigen ersetzt. Was die alten Fenster zeigten oder wieso sie ausgetauscht wurden, ist jedoch nicht bekannt. Die beiden Fenster neben der Kanzel stammen von einem bisher unbekannten Meister. Sie zeigen Kreuzigung und Auferstehung Christi; der Schriftzug in dem der Kanzel am nächsten liegenden lautet: „Zu verkünden Jesus Christus den Gekeuzigten.“ Die Aufgabe des Predigers wird hier betont. Dies steht in einem schönen Zusammenspiel mit dem Schriftzug der Kanzel: „Euch ist heute der Heiland geboren“.
(Lisa-Kathrin Welzel)

Die Michaelskirche, die hauptsächlich spätgotischen Charakter hat, geht in ihren ältesten Teilen bis ins 13. Jahrhundert zurück.  Hochgelegen bestimmt sie mit ihrem  aufragenden, spitzen gotischen Turm  bis heute das Ortsbild.   1961 wurde die Kirche innen und 1962 außen renoviert und erhielt ihr heutiges Aussehen.  Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts  kamen längst vergessene Fresken zum Vorschein. Auf der Taufsteinseite sind seitdem Fragmente einer Abendmahlsszene aus dem 16. Jh. Zu bewundern. Ein Schmuckstück der Söllinger Kirche ist auch die zweimanualige Mühleisenorgel , die 1993 in Dienst genommen wurde und die bis zum heutigen Tag nicht nur in den Gottesdiensten sondern auch bei Konzerten  mit ihren vielfältigen Klangfarben die Zuhörer erfreut.  Drei Glocken hängen im Glockenstuhl, der in den nächsten Jahren erneuert werden muss. Die älteste stammt aus dem Jahr 1756 und wurde „auf gnaedigsten Befehl des durchleuchtigsten Fürsten und Herrn Herrn Carl Friderichs Margraffens zu Baden „gegossen.  Sowohl im ersten als auch im zweiten Weltkrieg mußten zwei Glocken abgeliefert werden.  1949 wurden zwei neue Stahlglocken  aufgehängt, die von der Die Glockengießerei „Bochumer Verein“ hergestellt worden waren.  Die Söllinger Kirche in ihrer hellen, farblich sehr ansprechenden Gestalt erfreut sich auch als Traukirche großer Beliebtheit.  Sie ist auch ein idealer Ort für kirchenmusikalische Veranstaltungen, die einen  Schwerpunkt der Söllinger Kirchengemeinde darstellen und Höhepunkte im Jahreslauf sind.


 

 

 

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