Kirchenglocken

Glocken, ihre Geschichte und Bedeutung
Die Ev. Kirchengemeinde Söllingen lädt auf Mittwoch, den 18.03.2015 recht herzlich zu einem Vortrag über Glocken, ihre Geschichte und Bedeutung ein. Die Vortragsveranstaltung im Emil-Frommel-Haus beginnt um 19.30 Uhr. Als Referenzen konnten wir den Spezialisten für Glocken Herrn Karl Heinz Essig von der Firma Edelstahl Rosswag gewinnen. Die Fa. Edelstahl Rosswag hat für die berühmtesten Kirchen der Welt wie z. B. den Stephansdom in Wien, den Kölner Dom (dicker Pitter) und die Frauenkirche in Dresden die Klöppel der dortigen Glocken hergestellt. Gezeigt wird daher ein interessanter Film über die Herstellung dieser geschmiedeten Klöppel. Ebenso hören wir den Klang dieser und anderer berühmter Glocken. Herr Essig wird auch über die Besichtigung des Glockenstuhl unserer Michaelskirche berichten und auf unser anstehendes Projekt Glockenstuhl / Glocken eingehen.


Die wechselhafte Geschichte unserer Kirchenglocken
Frühe Nachrichten von den Glocken einer Kirche finden sich verhältnismäßig selten, denn sie gehörten meist zur 'Erstausstattung'. So ist es nicht außergewöhnlich, dass wir erst 1574 von den Glocken in unserem Kirchturm hören. In der Zeit des 30jährigen Krieges wird man möglicherweise die Kirchenglocken vom Turm herabgelassen haben, um einem Raub zuvorzukommen. 1673 sind das Kirchen- und Turmdach neu gedeckt worden 'weilen es wegen der gehabten Kriegsumläufe ser übel zugericht'. Im Juli 1691 hatten die französischen Truppen bei der Plünderung des Dorfes alle drei Glocken vom Turm herabgeworfen, sie zerschlagen und die Stücke fortgeschleppt. 1707 wurde die neue einzige Glocke geraubt. Erst etwa zehn Jahre später erhielt die Gemeinde eine neuen Glocke. 1725 kaufte die Gemeinde mit Unterstützung der Regierung eine weitere schwere Glocke. Vor 1756 muss aber noch eine dritte, schwerere Glocke im Turm aufgehängt worden sein, denn in diesem Jahr ist eine 1200 Pfung schwere Glocke, die gesprungen war, umgegossen worden.

Das geschah, wie seit dem Mittelalter, in der Nähe der Kirche, in einer dazu ausgehobenen Dammgrube. Die Dorfverwaltung hatte das notwendige Material zu stellen: Backsteine zur Errichtung des Schmelzofens und zur Ausmauerung des hohlen Kerns der Glocke, Kohle zum Heizen, Holz zur Herstellung der Schablone und das notwendige Talg und Wachs zur letzten Formung des Modells. An diesen Umguß erinnert die am unteren Glockenrand befindliche Inschrift der noch heute im Turm hängenden Glocke: 'Auf Gnaedigsten Befehl des Durchlevchtigsten Fvrsten vnd Herrn Carl Fridrichs Margrafens zu Baden vnd Hochberg ist diese Glocke avf sellingen gegossen worden dvch Anselmvs Franciscvs Speck von Heidelberg Anno 1756.

Bis zum  Ersten Weltkrieg hingen die drei Glocken. 1917 mussten zwei Glocken zur Metallgewinnung abgegeben werden. Es durfte nur eine Glocke im Turm bleiben. Wegen ihres besonderen Wertes blieb die größte von 1756 erhalten. 1922 hingen wieder drei Glocken im Turm. Der Zweite Weltkrieg holte abermals zwei Glocken aus dem Stuhl.

Zwei Jahre nach dem Kriege begannen die Verhandlungen des Pfarrers mit der Glockengießerei 'Bochumer Verein'. Es ging um die Herstellung von zwei Stahlglocken. Am 30.4.1949 konnten eine 2250kg schwere und eine 1038kg schwere Glocke im neuen und vergrößerten Glockenstuhl aus Stahl aufgehängt werden. Am 8.5.1949 war die feierliche Einsegnung.

Jetzt hängen wieder drei Glocken im Turm: Neben der fast 230jährigen Bronzeglocke zwei stählerne mit dem wohltönenden Dreiklang 'dis, fis und gis' und den Namen 'Glaube, Liebe und Hoffung'.

Seit über 60 Jahren leben wir nun in Frieden. Dafür können wir unserem Gott nicht genug danken. Ausdruck dieses Dankes und Lobes ist auch das tägliche Geläut vom Turm der Michaelskirche.

Textquelle: Ortschronik von 1985, Dr. Appelius
Zusammenstellung: Roland Speer


 

 

 

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